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4. Was zwingt uns weiter zu rauchen?

Wenn die körperliche Sucht nach Nikotin also nur ein Impulsgeber für die nächste Zigarette und für sich genommen nicht sehr stark ist, was macht es uns dann so schwer von den Zigaretten loszukommen? Wir selbst tun das! Raucher erzählen einem alles Mögliche, um ihre Raucherei rational zu erklären oder zumindest aufrecht zu erhalten. Was sonst bleibt ihnen auch? Andernfalls müssten sie sich aus gutem Grund wie Idioten vorkommen. Immerhin vergiften und unterwerfen sie sich wissentlich selbst. In dieser Hinsicht sind sogar Junkies besser dran. Jemand der sich mit Heroin an den Rande der Gesellschaft oder gar an den Rande des Todes fixt, der braucht gar keine Ausrede, wieso er dies tut. Er hat den Rausch (und ist überdies SPÜRBAR körperlich süchtig). Ein Raucher berauscht sich nicht durch Zigaretten, noch ist die körperlich Sucht so stark, dass sie allein eine wirkliche Rechtfertigung liefert. Es bedarf also (mehr oder minder) rationaler Gründe, warum die Raucherei Bestand hat.

An dieser Stelle sei gesagt, dass Raucher keineswegs willensschwach oder weniger intelligent sind. Sie können in ihrem Leben sonst alles im Griff haben. Doch Rauchen ist Abhängigkeit und Abhängigkeit pervertiert so ziemlich alles, um weiter bestehen können. Die Abhängigkeit ist ein Geisteszustand, der zu Entfremdung führt und – für sich genommen – nichts als blanker Selbstzweck ist. Gewissermaßen ist sie eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Welche Gründe nennen Raucher typischerweise, um ihre Raucherei sich selbst und anderen gegenüber zu erklären? Oftmals werden verschiedenste Geisteszustände oder Situationen herbeizitiert, die den Griff zur nächsten Zigarette auslösen. Wir wissen nun, dass der wahre Auslöser der kleine Hunger nach Nikotin ist. Doch welche Auslöser vermuten die Raucher? Langeweile wird häufig als Grund genannt. Ein Raucher, der unproduktiv rumhockt und sich langweilt, raucht. Eine typische Situation, die jeder Raucher kennt. Doch Langweile ist ein geistiger Zustand. Zigaretten sind nahezu bar einer berauschenden Wirkung. Sie machen die Langeweile also keineswegs aufregender. Ganz abgesehen davon, ist rauchen ja wohl kaum eine aufregende Beschäftigung. Ebenso gut könnte man ein Buch lesen, mit Freunden telefonieren, das Fernsehprogramm prüfen.......was auch immer! Man könnte sogar trockene Gräser ausrupfen und nur so zum Spaß ein wenig damit rumzündeln. Das wäre natürlich geradezu lächerlich. Aber wie viel lächerlicher ist es, getrocknete Pflanzen zu inhalieren, die absolut giftig sind, stinkenden Qualm verbreiten und einen nicht mal berauschen? Die traurige Wahrheit ist, dass Langeweile dem Raucher nur vermehrt Gelegenheit bietet, auf seine kleine Nikotinsucht zu achten.

Manch ein Raucher meint, er könne sich besser konzentrieren, wenn er raucht. Wenn man raucht, verengen sich die Arterien (jene Gefäße, die vom Herzen wegführen und als Schlagadern bekannt sind). Außerdem begünstigt das Rauchen eine zunehmende Verstopfung der Gefäße. Nicht gerade eine günstige Stoffwechsellage, um das Gehirn optimal zu versorgen. Das Gehirn ist mehr auf Sauerstoff, und somit auf eine gute Durchblutung, angewiesen als die meisten anderen Organe. Wie kann es dann hilfreich sein, sich die Luft zum Atmen mit giftigem Rauch abzuschnüren (bis zu zwei Liter Rauch sind in einer einzigen Zigarette enthalten!) und gleichzeitig die Gefäße zu verengen, die sauerstoffreiches Blut führen? Es ist also schon aus rein körperlichen Gesichtspunkten absolut unlogisch, Zigaretten eine konzentrationsstärkende Eigenschaft zuzusprechen. Der Grund, warum ein Raucher glaubt, sich durch Zigaretten besser konzentrieren zu können, liegt darin, weil er seiner kleinen Nikotinbestie Futter gibt, die daraufhin schweigt. Bis sie sich in spätestens einer halben Stunde langsam aber sicher zurückmeldet. Ein Raucher muss sich also erst eine Ladung Nikotin verpassen, um sich für eine kurze Zeitspanne so gut konzentrieren zu können, wie dies ein Nichtraucher ohnehin könnte.

Manche Raucher meinen, sie könnten sich besser entspannen, wenn sie rauchen. Im Grunde genommen derselbe Mechanismus wie bei der Konzentration. Sobald ein Raucher sich seine Dosis Nikotin verabreicht hat, kommt er für kurze Zeit in den Genuss jene Gelassenheit zu erfahren, die für Nichtraucher normal ist. Ein Nichtraucher kennt nicht dieses sonderbare Gefühl von Leere und Ruhelosigkeit, das Raucher immer wieder überfällt (spätestens dann, wenn sie nicht rauchen dürfen).

Ähnlich ist es auch bei Stress. In der Tat ist der Nikotinentzug, auch wenn er mit keinerlei körperlichen Beschwerden einhergeht, eine Form von Stress. Wenn Raucher also mit Verantwortung und dem ganz normalen Alltagsstress zurechtkommen müssen, dann sind sie gleich doppelt geplagt. Ihnen sitzt nämlich noch ein kleiner, nikotinsüchtiger Schalk im Nacken. Das erklärt auch, warum selbst gemäßigte Raucher in akuten Stresssituationen zum Kettenrauchen neigen. Hierbei zeigt sich die Verlogenheit der Gehirnwäsche und der Nikotinsucht besonders deutlich: Der Raucher ist es gewohnt, dass seine Zigaretten Stress (in Wahrheit nichts anderes als den Nikotinentzug) lindern. Wenn nun eine wirkliche Stresssituation auftritt, greift er verzweifelt von einer Zigarette zur nächsten. Dabei ist sein Nikotinbedarf bereits binnen kurzer Zeit mehr als gedeckt! Dennoch qualmt er eine nach der anderen. Er verwechselt die eine Stressursache mit der anderen. Die akute Stresssituation (z. B. ein Todesfall in der Familie) bessert sich deswegen natürlich um keinen Deut. Nichts ändert sich dadurch. Aber der Raucher steht unter großem Stress und greift schon fast reflexartig von einer Zigarette zur nächsten. Und genau das ist die Gehirnwäsche!

Manche Raucher sind davon überzeugt, Zigaretten zu genießen. Dies sind in aller Regel Gelegenheitsraucher, die ungefähr zehn Zigaretten am Tag oder manchmal gar weit weniger rauchen. Ein Kettenraucher, der sich eine nach der anderen runterwürgt, kann sich gar nicht mehr einreden, dass er seine Zigaretten genießt. Dazu ist er auf viel zu offensichtliche Weise abhängig. Wem will er etwas vormachen? Aber deswegen sind Gelegenheitsraucher kein bisschen weniger abhängig! Im Gegenteil: Diese Raucher sind besonders zu bedauern! Sie geben zwar weit weniger Geld aus und vergiften sich körperlich nicht gar so heftig wie ihre kettenrauchenden Leidensgenossen. Dafür sind die Illusionen, die sich die meisten Gelegenheitsraucher um das Rauchen machen, weit ausgeprägter. Ein Gelegenheitsraucher empfindet jede Zigarette als genussvoll, weil er einen stärkeren Nikotindrang stillt, als der Kettenraucher. Man überlege doch mal, wie groß die Erleichterung ist, die sich ein Gelegenheitsraucher nach stundenlanger Abstinenz verschafft. Er lässt die kleine Nikotinbestie lange zappeln, ehe er sie stillt. Mit wahrhaftigem Genuss hat das freilich nicht im Geringsten zu tun. Genießen kann man freudige Erlebnisse oder ein geschmackvolles Essen. Sich selbst zu vergiften ist mitnichten ein freudiges Erlebnis und dass der Geschmack einer Zigarette gegen den Geschmack eines gekonnt zubereiteten Perlhuhns kläglich scheitert, ist ja wohl auch keine erschütternde Enthüllung. Selbst ein 30 Cent Schokoriegel schmeckt weit köstlicher als jede Zigarette dieser Welt. Rauchen bedeutet Abhängigkeit und Abhängigkeit erfordert Konsum, und nicht etwa Genuss! Gelegenheitsraucher sind im selben Maße auch für die zahlreichen anderen Illusionen des Rauchens anfällig. Ihr subjektives “Genuss“-empfinden lässt sich ebenso auch auf die Zustände Langeweile, Stress etc. beziehen.

Manche Raucher geben unumwunden zu, dass sie sie rauchen, weil sie abhängig sind. Dies sind fast immer stärkere Raucher. Nicht selten sind sie Kettenraucher. Ihre Raucherei ist bereits soweit gediehen, dass sie sich und ihren Mitmenschen keine “vernünftigen“ Gründe mehr einreden müssen, warum sie sich das Ganze überhaupt reinziehen. Sie sind abhängig – Punkt – Schluss! Im Grunde genommen bringen diese Raucher die günstigsten Voraussetzungen mit, um mit dem Rauchen aufzuhören. Sie sind es leid, ihr Joch mit irgendwelchen positiven Eigenschaften zu zieren. Wahrscheinlich bereitet ihn das Rauchen keinerlei “Genuss“ mehr. Deshalb sind starke Raucher bzw. Kettenraucher nicht selten sehr viel leichter von der Funktion der Gehirnwäsche und ihrer Überwindbarkeit zu überzeugen. Problematisch wird es erst dann, wenn sich starke Raucher hinter ihrer Abhängigkeit verstecken. Für solche Raucher ist die Aussage „ich bin abhängig“ kein Eingeständnis, sondern ein Argument: ein Argument weiter zu rauchen. Solche Raucher geben wahrhaft das elendigste Bild eines Rauchers ab. Meist rauchen sie viel, würden gerne aufhören, haben aber Angst davor und wissen oft gar nicht warum.

Diese Beispiele zeigen, wie variantenreich die Gehirnwäsche daherkommen kann, der ein Raucher unterliegt. Oft treffen mehrere der genannten Beispiele auf den einzelnen Raucher zu. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass hinter allem derselbe Mechanismus steht, nämlich die Wechselwirkung zwischen Nikotinentzug und rationaler Begründung! Dabei ist der Nikotinentzug nur der auslösende Funke. Für sich allein genommen ist der Nikotinentzug kein zwingender “Grund“ um zu rauchen. Er stellt sich viel mehr als ein kleines, lästiges Gefühl dar. Ein Impuls, dem man nachgeben kann, aber keineswegs nachgeben muss. Ebenso gut kann er sich zum Teufel scheren! Da bedarf es schon einer anderen “Begründung“, warum der Griff zur Zigarette nottut. Und genau hier kommt die Gehirnwäsche ins Spiel. Sie ist die psychische Abhängigkeit, die den Raucher bei der Stange hält und ihn dazu verleitet, sich selbst und andere zu vergiften und zu hintergehen. Und für dieses “Privileg“ zahlt er auch noch teuer (in jeder Hinsicht).

Lesen Sie weiter: 5. Was bringt rauchen wirklich?
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